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Gewaltfrei am Ersten Mai! PDF Drucken E-Mail

(Meinung von Roland Munz)
"Verlieren wir die Beherrschung!" Mit diesem Slogan wirbt das 1.Mai-Komitee für die Teilnahme am diesjährigen Arbeitsfeiertag. Die Absicht hinter dem Aufruf mag gut gemeint sein, schliesslich gehe es dem Komitee "lediglich darum zu zeigen, dass es reicht, weil uns vorgegaukelt wird, die Krise sei vorbei, aber geändert hat sich nichts, wir wurden von A bis Z verarscht“. Trotzdem gilt es, sich vom diesjährigen 1.Mai-Slogan in aller Deutlichkeit zu distanzieren! Und zwar aus folgenden Gründen:

1. Bürgerliche wollen den 1. Mai als Feiertag schon längst abschaffen. Und sie werden auch nach dem diesjährigen Arbeitsfeiertag diese Forderung wieder erheben. Mit aller Kraft hat sich die SP Jahr für Jahr eingesetzt, diesen wichtigen Tag zu erhalten. Indem sich das 1.Mai-Komitee nun nicht nur nicht von den gewalttätigen Nachdemonstrationen von Krawallsuchenden abgrenzt, sondern mit ihrem Slogan geradezu zum "Ausrasten" aufruft, spielt es all jenen in die Hände, welche den 1.Mai sowieso schon als Tag der Gewalt bezeichnen und als Feiertag abschaffen wollen.

2. Der 1.Mai gehört den Arbeitnehmenden. Sie haben das Recht, dass besonders an diesem Tag Ihren Anliegen eine Plattform geboten wird! Mit dem wohl kaum unbewusst provokant gewählten Slogan wird schon vor dem Arbeitsfeiertag in allen Medien fast ausschliesslich über Gewalt berichtet. "Verlieren wir die Beherrschung" ist billige Propaganda, ein marktschreierischer Selbstläufer. Jene um die es aber eigentlich geht, die Arbeiter und Arbeiterinnen, kommen noch viel weniger zu Wort wie in früheren Jahren.

3. Ein erklärungsbedürftiger Slogan ist ein schlechter Aufmacher. Muss man den Slogan mit verschieden farbigen Buchstaben durchsetzen, ihn umständlich erklären und mit einer Wegleitung zur Interpretation versehen, dann taugt er Nichts! Es geht nicht an, dass man sich krampfhaft winden muss, um in einer Parole etwas Positives zu entdecken. Die ArbeiterInnen-Bewegung hat Wichtigeres zu kommunizieren.

Zudem kommt hinzu, dass das 1.Mai-komitee auch mit der bemühten Erklärung des Slogans völlig daneben liegt: Die Krise sei vorbei, wäre uns vorgegaukelt worden. Richtig. Aber es soll sich für die Arbeitnehmenden nichts geändert haben? Schön wär's! Tausende von Arbeitsplätzen gingen verloren. Klein- und Mittelbetrieben sind die Kredite gekündigt oder nur noch zu höheren Zinsen gewährt worden; diese sind darum gefährdet worden oder mussten schliessen. Leidtragende auch da die Arbeitnehmenden. Die von den Spekulanten verursachte Krise muss die Allgemeinheit ausbaden: Mit Steuergeldern sind Stützmassnahmen ergriffen worden, dafür schnüren Bund und Kantone jetzt Sparprogramme auf dem Buckel der Angestellten! Die Abzocker bekamen millionenschwere Abgangsentschädigungen, derweil die Arbeiterinnen und Arbeiter mit fehlenden oder dürftigen Sozialplänen in die Erwerbslosigkeit entlassen wurden. Der Arbeitsplatz hat sich sehr zum Schlechten verändert! Wäre das nicht Inhalt genug für eine kämpferische, aber sich von Gewalt abgrenzende Parole?

Ich will nicht meine Beherrschung verlieren.
Wie kann ich für meine Anliegen eintreten, ohne Beherrschung? Wollen wir die Beherrschung des 1.Mai verlieren, sie an die Krawallanten abgeben? NEIN! Beherrschen wir den 1.Mai mit unseren Anliegen. Entreissen wir den gewalttätigen Chaoten die Beherrschung über unseren Feiertag, indem wir engagiert für die Anliegen der Arbeiterinnen und Arbeiter einstehen. Wenn das 1.Mai-Komitee mit uns für die Arbeitsrechte mitkämpfen möchte, ist es herzlich eingeladen. Ansonsten sollten wir uns die Frage stellen, wie die ArbeiterInnen-Anliegen in Zukunft ihren Feiertag wieder mit ihren Themen beherrschen können. "Für die Organisation künftiger Tage der Arbeit müsse man über die Bücher", sagte auch Remo Schädler von der Unia, "man werde sicher nicht mehr mit Organisationen zusammenarbeiten, die sich nicht klar und ausdrücklich von Gewalt distanzierten".

 
 
 
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